Cowboys und legal Aliens

Ein Schuss aus einem Gewehrlauf. Plötzlich schreit ein von seinem strahlend weißen Schimmel fallender Cowboy auf und stürzt von seinem Pferd. Er liegt da, ganz in schwarz gekleidet. Sein runder Cowboyhut neben ihm, der Colt fest im Griff. Nun ist alles still, nur aus der Ferne heult ein Kojote auf und bahnt sich seinen Weg durch die endlose Steppe, gesäumt mit Kakteen und tiefen Gräsern, Klapperschlangen und Giftspinnen.

Freiwilligendienst GCTC Campus

Ich habe es mal wieder zur Arbeit geschafft, auch wenn es diesmal knapp war. “Wofür das alles?”, frage ich mich und setze mich in das flache Gebäude, welches ich schon fast mein zu Hause nenne. Um mich herum ein jeder, der es durch die dichten Straßen geschafft hat und seinen Willen zu überleben in die Tat umsetzen um sein gutes fuer die Gemeinschaft zu tun. Aber worin besteht dieser Wille? Was macht es aus, ein Teil davon zu sein? Ein Teil des Gulf Coast Trades Centers.

Das soziale Netz der USA ist bei weitem nicht so feinmaschig, wie wir es in Europa, vor allem in Deutschland gewohnt sind. Metropolen wie Houston oder Dallas bieten ihren Einwohnern nicht nur moderne Wolkenkratzer, gigantische Malls und Reichtum, sondern auch ärmere Viertel in denen Kriminalität und Gewalt vorherrschen. Die Kinder aus diesen Gebieten kennen selten einen geordneten Alltag, warme Mahlzeiten und ein strukturiertes Leben, werden oft in Drogenhandel und Gewalttaten involviert und von da an vom Staat betreut. Wie sollen sie nun behandelt werden, um sich in die vorherrschende Gesellschaft einzubinden?

Mit einem strukturierten Tagesablauf, warmen und sicherem Essen, einer Schul- und Berufsausbildung, sowie erster Erfahrungen im Berufsalltag.

Coo­libri im Freiwilligendienst USA

Alle Schüler, die zu uns kommen, egal aus reichem, armen oder gar keinem Elternhaus, werden von Beginn an gleich behandelt. Sie bekommen einen blauen Jumpsuit, ein Bett und eine Klasse zugeteilt. Bewachung erfolgt rund um die Uhr. Nur fünf Minuten am Tag ist jeweils einer der Students unbeaufsichtigt, um zu duschen. Danach muss jeder im Bett sein und die Lichter werden ausgeschalten. Pünktlich 6.30 Uhr wird jeder geweckt und es geht in die Shops, wo sie jeweils eine Ausbildung in Gärtnerei, KFZ, Handwerk, Kochen oder Kaufmannstätigkeiten bekommen. Dazwischen sind immer wieder Schulblöcke in Englisch, Mathe usw. eingebaut.

Am Nachmittag, nach der Schule, werden die Students in ihre Dorms zurückgeleitet und verbringen da ihren Abend. Wer den Tag ohne Probleme übersteht, sich höflich gegenüber den Mitarbeitern und respektvoll gegenüber den Regelnverhält, kann in seinem Level aufsteigen, bis zu einer Höhe von fünf. Mit jedem Level kommen neue Privilegien dazu, wie zum Beispiel Urlaub bei der Familie, Süßigkeiten, eigene Kleidung und höhere Tätigkeiten. Dabei ist es egal, woher der Schüler kommt oder was ihn zu uns bringt. Das wissen nämlich die meisten Angestellten hier nicht.

Nach ihrer Zeit hier, wird jeder der es möchte auf seinem weiteren Weg begleitet. Darunter fallen Folgeprogramme anderer Organisationen, die Hilfe bei der Bewerbung oder Einschreibung in einer Hochschule ermöglichen.

New Waverly texas Population 929 plus 3 Volunteers des SDI Freiwilligendienst USA

Aber eben nur, wenn er es will, denn Fesseln und Zäune gibt es bei uns nicht, nur starke Nerven und lange Nächte im Wald, falls sich doch eines der 100 Kids dazu entscheidet den Campus auf eigene Faust zu verlassen. Aber das ist nicht unsere Hauptaufgabe. Generell sind wir nur selten in der Nacht anzutreffen und das auch meistens nur, wenn uns ein Unwetter getroffen hat und die regulären Mitarbeiter nicht bis zum Camp gelangen können.

So arbeiten Fabian und Lukas im Medical und kümmern sich um die kleinen und großen Wehwehchen der Kids, teilen Medikamente aus, und bringen die Students zu Untersuchungen auf dem Campus und in den nahegelegenenen medizinischen Einrichtungen.

Ich bin in der Regel im Administrationsgebäude anzutreffen und arbeite in der Personalabteilung. Dort kümmere ich mich um die Belange der knapp 80 Mitarbeiter, die hier Tag und Nacht beschäftigt sind. So bekommt jeder eine andere Sichtweise auf die Arbeit hier und muss sich auch der ein oder anderen Herausforderung stellen und seine Nerven hin und wieder beweisen.

-Hendrik “The Brain” (traveltheworld.sdi-volunteers.net)