Kurzberichte

Unter dieser Rubrik veröffentlichen wir kurze Berichte von Freiwillige, die ihr Jahr im Ausland bei uns leisten.

Live aus Chicago, Amerika - das Land der Unterschiede zwischen arm und reich.

Helpings of Hope

Amerika - das Land der Unterschiede zwischen arm und reich. Nirgends haben wir das bisher so sehr gespürt wie am Donnerstag, den 9. November, bei der Spendengala “Helpings of Hope”.

Helpings of Hope fand in einem riesigen Industrial Design Loft statt - einer sehr beeindruckenden Location, die uns allen außerordentlich gut gefallen hat. Das Motto des Events war: “You can provide help and hope for those in need!”. Die Gala wurde von Franciscan Outreach veranstaltet, um neue Sponsoren heranzuziehen und um Spenden zu sammeln, mit denen die Suppenküche sowie das Shelter finanziell aufrecht erhalten werden. Das Herzstück der Organisation - wir Vollzeitfreiwilligen (#freiwilligundsexy) - waren eingeladen, bei dem Fest mitzuhelfen. Bewaffnet mit Losen, riesigen Selfie-Bilderrahmen, Kreditkartenlesegeräten und Tannenbaumanhänger-Dankeschöns liefen wir herum und baten um eine milde Gabe. Wir alle waren überrascht, wie großzügig die Gäste sich verhielten. Sie waren außerdem sehr interessiert an unserer Arbeit und überaus freundlich.

Teil der Veranstaltung war außerdem die Ausstellung “Portraits of Homelessness”, bei der Fotografien von Obdachlosen zusammen mit deren Lebensgeschichten präsentiert wurden. So sollte veranschaulicht werden, wem durch dieses Event geholfen wird.

Nachdem wir einige Stunden damit verbracht hatten, Spenden zu sammeln, begann der Höhepunkt der Veranstaltung: das Paddle Raise. Dabei versammelten sich alle Anwesenden vor der Bühne, auf der eine Radiomoderatorin gekonnt das Publikum zum Spenden animierte.

“Who wants to donate $ 5.000?” - von diesem Geld kann die Suppenküche eine Woche lang finanziert werden. Etwas überrascht waren wir dann doch, als sich spontan mehrere Leute meldeten. Weitere Spender erklärten sich unter anderem bereit $ 1.000 (heiße Duschen für einen Monat) oder $ 50 (fünf Übernachtungen im Shelter) zu spenden. Am Ende wurde dann innerhalb von einer knappen halben Stunde das gesetzte Ziel um $ 10.000 überschritten.

Am Ende des Abends mussten Verena und Clemens noch zur Nachtschicht ins Shelter fahren. Bei einem Abstecher nach Hause gab es nur Zeit, schnell die Kleidung zu wechseln und weiter ging es mitten in einen komplett anderen Teil Chicagos. Einen stärkeren Kontrast hätte man sich nicht vorstellen können: Gerade noch zwischen wohlhabenden Spendern und nur kurze Zeit später unter Menschen, die nur aufgrund eben genannter Spender überleben können. Kaum im Shelter angekommen, sucht man sich dann zuallererst ein Abschminktuch, um die Überreste des eleganten Make-ups zu entfernen.

Trotz der Widersprüchlichkeit dieser Situation hat es uns allen gut gefallen und wir sind froh, die Möglichkeit zu haben, solche Erfahrungen zu machen.

Verena und Selma

FOV goes Six Flags!

Unsere Arbeit hier für Franciscan Outreach bedeutet weit mehr als unsere Aufgaben im Shelter oder der Suppenküche zu erledigen, Essen zu kochen und jedem Menschen ein Bett anzubieten. Das besondere an unserer Arbeit ist der ganz persönliche Kontakt zu unseren Gästen, die täglich abends ein Essen zu sich nehmen können und sich danach meist auf den langen Weg zum Shelter machen. Einer unserer ehemaligen Gäste hat es mit der Hilfe von Franciscan Outreach geschafft, wieder eine Wohnung zu finden, einen Job zu bekommen und wieder ein geregeltes Leben aufzubauen. Aus Dankbarkeit der Community gegenüber hat er uns dieses Jahr alle in den Freizeitpark ‘Six Flags’ eingeladen und uns Tickets für die Saison gespendet. Zusammen mit zwei unserer Mentoren sind wir dann, leider nicht alle zusammen, aber an zwei verschiedenen Tagen am Wochenende, in den Freizeitpark gefahren. Bei eisigen Temperaturen und drei Winterjacken übereinander haben wir im fast komplett leerem Freizeitpark alle Achterbahnen mitgenommen, wie es nur ging. Seit langem war dies einmal wieder ein Tag, an dem jeder die Arbeit komplett vergessen konnte und einfach so richtig abgeschaltet hat. Es waren wirklich wunderschöne Tage, die glaube ich jeder genossen hat!

Anina

57 Jahre nach der "New Orleans school desegregation crisis"

Am 14. November 1960 wurden die Trennung nach Hautfarbe an zwei Schulen im Lower Ninth Ward von New Orleans aufgehoben. Nachdem viele der weißen Schüler die Schule daraufhin aus protest verließen, sahen sich die neuen Afro-Amerikanischen Schüler der vormals weißen Schulen ständigen Beleidigungen, Belästigungen und Angriffen ausgesetzt. Nachdem es am 16. November dann zu gewalttätigen Ausschreitungen und Aufständen vor dem Gebäude der Schulverwaltung kam, die in zahlreichen Messerattacken und Anschlägen mit Brandbomben zwischen endeten. Später mussten Bundespolizisten die viel schwarzen Schüler auf Grund von zahlreichen Morddrohungen schützen. Dies führe dazu dass zwischen Januar und Mai 1961 nur eine Schülerin, Ruby Bridges, die William Frantz Grundschule besuchte nachdem alle anderen Schüler die Schule boykottierten.

Erst Ende 1962 wurde die Rassentrennung dann auch in den Katholischen Schulen der Stadt aufgehoben und es dauerte weitere 10 Jahre bis Trennung von Weißen und Schwarzen Schülern im gesamten Bildungssystem der Stadt aufgehoben wurde.

Fabian und Sinan erzählen in ihrem Blog eindrucksvoll auf Deutsch und Englisch wie sie die Zeitzeugengespräche bei der Gedenkfeier in New Orleans erlebt haben und welche Bedeutung diese Geschehnisse für unsere heutige Zeit noch immer haben!

Live von den Philippinen

Beiträge aus dem SDI Volunteer Newsletter Jan. 201 7

Hallo, hier kommen wir von den Philippinen :D

Bei uns hat sich schon sehr viel verändert seit dem Anfang. Nachdem Mona und ich beide Dengue Fieber hatten, musste sie leider nach 10 Tagen abbrechen und nach Deutschland zurück gehen, da sie Probleme mit den Augen bekam...

Auf jeden Fall bin ich zeitnah nach Quezon gewechselt, um nicht krank alleine in Laguna zu bleiben. Dengue hat bei mir ca. 6-7 Wochen gedauert bis es vollkommen weg war. Seitdem haben wir zu dritt im Jungsheim gelebt und zeitweise auf den Reisfeldern gearbeitet. Eine ganze Riceseason dauert 3 Monate. Unsere Hilfe wurde immer besonders während der Pflanzzeit und Erntezeit benötigt. Da haben wir auch zwei bis drei Tage in den Hütten neben den Reisfeldern geschlafen, um morgens früh anfangen zu können. Es ist wunderschön dort, ohne Elektrizität, aber mit super schönen Sonnenuntergängen und Sonnenaufgängen.

Im Center kümmern wir uns ansonsten mit um die Farm, füttern oder sauber machen, in der Küche helfen und natürlich am Wochenende Activities für die Kinder planen. Die sind die Woche über so lange in der Schule, dass für größere Activities wirklich nur Zeit am Wochenende bleibt. Die älteren bzw. stärkeren Jungs arbeiten am Wochenende auch oft auf den Reisfeldern, um ihr Taschengeld ein bisschen aufzubessern. Ein bis zweimal im Monat finden sogenannte outreach Partys im Center statt, bei denen Reiche Philippinos das Kinderheim besuchen und ein Tag lang für Essen und Unterhaltung für die Kinder sorgen. Es ist echt immer witzig und die Kinder haben riesen Spaß dabei!

An unseren freien Tagen reisen wir hier viel und sehen uns die traumhafte Natur und dreckigen Städte an ;)

Sophie Rose

Weihnachten mal anders

Weihnachten wurde für mich dieses Jahr vorgezogen. Meine beiden Freunde aus Deutschland, Emilia und Yaimara, sind schon seit ein paar Tagen da und wir haben spontan beschlossen wegzufahren. Nach Mindoro (eine kleine Insel am Meer).

Also haben wir schon am 22.12 ein bisschen mit Leo und Rebecca zusammen Päckchen ausgepackt und zusammen gegessen.

Am nächsten Morgen sind wir aufgebrochen nach Mindoro und es ist wirklich traumhaft schön!! Wir sind ohne großen Plan losgefahren und das Gespräch mit dem Verkäufer ging ungefähr so:

Er: wo wollt ihr denn hinfahren? Wir: Nach Mindoro. Er: Und wohin in Mindoro? Wir: Wohin kann man denn? Er: Porto Galera, Aninuan, White Beach.... Wir: White Beach klingt gut!!

Also sind wir an den White Beach gefahren und haben damit die perfekte Entscheidung getroffen. Schon auf dem Weg mit dem Boot haben wir "Reisebüro Traumstrände" gesehen. Angekommen am White Beach wurde uns ziemlich schnell eine Preiswerte (14€ für 3P) Unterkunft angeboten und wir haben eingescheckt. Alles super gelaufen.

An Weihnachten sind wir losgezogen, um die Tamaraw und Turkan Falls zu finden. Dabei fuhren wir mehr ins Landesinnere und auf kleinen Schleichwegen. Wir sind an einem kleinen Ort rausgekommen, der nicht sehr touristisch war. Unser Fahrer wollte dort warten und wir sind in einem Karren, der hinter einen Bullen gespannt war, zu den Wasserfällen aufgebrochen. Unserer neuer Guide hat uns mehrfach durch den Fluss geführt und wir sind auf Sandbänken Flussaufwärts gefahren. Bei den Wasserfällen angekommen, hat er den Bullen abgespannt und ins Wasser gebracht, um zu entspannen. Wir sind zu Fuß weiter gezogen und der Typ war echt entspannt! Wir konnten uns unseren eigenen Weg über die Felsen suchen, sind eine ca. 30-50 Meter hohe Leiter hochgeklettert, die an der Seite der Schlucht in den Regenwald geführt hat. Unser Guide hat uns immer nur wieder aus dem Wasser gezogen, als wir ausgerutscht sind. Er hat die ganze Zeit gelacht und sich über uns amüsiert. Es war ein echt witziger Ausflug. Nach ca. einer halben Stunde die Wasserfälle hochlaufen, haben wir unsere Sachen auf einen Felsen gestellt, meine Musikbox angestellt und sind schwimmen gegangen. Man konnte sich mit der Strömung treiben lassen :D

Den Rückweg sind wir ziemlich schnell gegangen auf einem kleinen Pfad durch den Djungel. Wir haben es uns aber trotzdem nicht nehmen lassen von einer großen Klippe nochmal ins türkies-blaue Wasser zu springen.

Plötzlich hat der Guide angefangen eine Ziege nachzumachen, die am Wegesrand stand. Das hat so merkwürdig geklungen, dass wir auch alle mit eingestiegen sind und es in einem riesen Gelächter geendet hat.

Wir haben ihm noch ein nettes Trinkgeld dagelassen, dafür, dass es so locker mit ihm war und wir machen konnten, was wir wollten. So einen entspannten Tourguide hatte ich hier bis jetzt auch noch nicht ;D

Am Abend zurück am Whitebeach sind wir noch ein paar Flaschen Bier kaufen gegangen und haben uns auf eine Bank, die an der Promenade lag, direkt ans Meer gesetzt. Es war ein wunderschöner Weihnachtstag am Meer mit 25 Grad und Käse und Erdnussbutter als Weihnachtsschmaus... :)

Rooftop

Über den Dächern von Manila, ein Mond, der leuchtet, weihnachtliche Musik, ein Tannenbaum, unter dem dutzende von Geschenken liegen, ein gebratenes Schwein, dem nur noch der Apfel im Maul fehlt, eine Karaoke-Maschine und ca. 50 Gäste: Wer glaubt, ich beschreibe gerade einen Film, liegt falsch: Genau das war nämlich unsere erste Christmas Party von Staff und Volunteers am 15.12. Und für die, die noch nie eine rooftop-party erlebt haben: Es ist unglaublich!

Die Atmosphäre war der hammer. Dafür hat sich dann auch die ca. 6-stündige Fahrt, die wir bedingt durch Stau und mit 12 Personen im Van hinter uns hatten, der Stress, was man anziehen soll (da die eine Hausmutter uns erzählt hat man müsse sich aufbrezeln bis zum geht nicht mehr und es im endeffekt dann doch eine bunte Mischung von jogger bis highheels gab) und das Warten, da die Party um 7 starten sollte, aber natürlich philippinische Zeit und niemand sagen konnte, wann es denn losgeht, echt gelohnt.

Irgendwann pendelten alle Leute auf dem Dach ein (auf dem übrigens jetzt Gemüse angebaut wird) und zum Glück wurde nicht lange geredet, sondern es ging erst einmal ans Essen. Stolz waren alle, dass sogar das Schwein von BT selbst bereitgestellt werden konnte.

Wir sassen an gemischten Tischen, waren dann aber doch die einzigen Ausländer neben einer Amerikanerin, die in Manila mithilft. Wäre schon super endlich fließend Tagalog zu reden!

Nach dem Essen, gab es dann Programm. Genau mein Geschmack: irgendwelche Luftballontänze, Gesangwettbewerbe und Quiz. Der krönende Abschluss waren dann die Performances, die jedes Center vorbereiten sollte. Anfangs dachte ich noch, dass wir mit unserem Volkstanz, den wir drei Tage vorher zum ersten Mal gesehen hatten, total unvorbereitet wären, doch das verflog, als ich die anderen Center sah, die eigentlich ihre Proben gezeigt haben - vielleicht die zweite Probe überhaupt. Da haben wir mit Requisiten und Kostümen doch ein bisschen übertrieben: der hammer war allerdings als tatay aga plötzlich aufgetaucht ist und sich nicht mehr wegen Augenproblemen im Krankenhaus befand, sondern unser Gangnamstyle-Man sein konnte!

Danach ging es dann an die ersten Geschenke dieses Jahr. Wir haben gewichtelt und ich beschenkte eine Hausmutter aus Laguna, die ich gar nicht kannte. Ich hoffe, sie hat sich über Shampoo und co. gefreut. Selbst habe ich Touristenshirts bekommen - was schenkt man Ausländern auch sonst? :D).

By the way war der prozess des Gebens auch ziemlich witzig, da wir nur im Kreis gerannt sind und sowas wie "I love my monita yes yes I do I wont tell you" gesungen und dann musste man in der mitte seinen Wichtelmensch beschreiben. Achja, schon alles ziemlich genial!!

Um 12 wurde dann auch noch spontan gesungen, da Catherine, unsere Volunteer Koordinatorin, Geburtstag hatte. Ja und plötzlich war alles gegen zwei oderso vorbei, da es anfing zu regnen. Fazit: Super cool!

Rebecca

Leben - Philippino Style

Also die letzte zeit war für mich eigentlich nicht so ereignisreich, da während Weihnachten und Silvester fast der ganze Staff und auch der Großteil der Jungs hier nach Hause sind.

Anfang Dezember hat erstmal noch die neue planting-Season auf unseren Reisfeldern angefangen, womit dann für mich das erste mal ein kompletter 4-monatiger Zyklus von der Land-preparation bis zur Ernte abgeschlossen war. Diese Beschäftigung wurde dann aber schon bald von der Vorfreude auf die Weihnachtszeit abgelöst.

Das heißt, 2 Trips nach Manila haben stattgefunden, um einmal mit allen Mitarbeitern der 3 BT-Center und einmal mit allen Kindern Weihnachten zu feiern bevor es dann, wie bereits erwähnt, für die meisten nach Hause ging.

Seit den 24. Dezember, der hier nicht als Weihnachtstag gefeiert wird, war ich nicht mehr auf den Feldern, die normalerweise eher meine Hauptbeschäftigung darstellen. Das heißt für mich jeden morgen nach neuer Arbeit suchen und die unterschiedlichsten Aufgaben zu übernehmen, beziehungsweise froh sein wenn sich überhaupt eine befriedigende Aufgabe findet. Außerdem bedeutet es jede Menge besonderes Essen, wie Schinken, süße Spaghetti, Instant Nudeln, Sardinen und haufenweise süßes "Brot". Das ging sogar soweit, dass es Tage gab, an denen ich nur ein bis zweimal Reis gegessen habe.

Naja auf jeden Fall geht seit Neujahr alles wieder ein bisschen mehr Richtung Normalität. Die Kinder und der Großteil der Mitarbeiter sind zurück, die Schule hat wieder angefangen, wir haben nach einem Monat endlich wieder Wasser in unserem Haus und bald dürfte es auch wieder regelmäßige Feldarbeit für mich geben.

Außerdem wird 2 wöchige Hilfe von 3 australischen Studenten erwartet, die wir schon Gelegenheit hatten bei einem 3 tägigen Seminar über Kinderrechte in Manila kennen zu lernen.

Alles in Allem ist es also ganz entspannt hier, sind ja schließlich auch die Philippinen.

Leonard Mußler

Mein Jahr in Südafrika

von Isabell Rossmann

Aufstehen, Duschen, Frühstücken, Zähneputzen, Spülen und dann aber schnell ins Auto, um hoffentlich rechtzeitig um 8 Uhr bei der Arbeit zu sein.

Hätte mir vor drei Monaten jemand gesagt, dass das Leben hier mal alltäglich wird, ich hätte es nicht geglaubt. Da saßen wir nun zusammen, beim Vorbereitungsseminar, zwei Monate vor meinem Abflug und haben nett über unser kommendes Jahr geplaudert. Aber dass ich schon in so naher Zukunft meine Sachen gepackt haben werde, meine Familie und meine Freunde für ein Jahr in Deutschland zurücklassen und im Flugzeug ins große Abenteuer sitzen werde, hab ich nicht geglaubt. Das betraf vielleicht die anderen hier vom Seminar, aber bestimmt nicht mich. Irgendwo wusste mein Gehirn natürlich: Doch Isabell, das betrifft dich sogar sehr wohl auch, aber wirklich realisiert hatte ich es nicht. Auch immer noch nicht in den ersten zwei bis drei Wochen, es hat sich eher wie ein toller Urlaub angefühlt, und nächste Woche fliege ich bestimmt wieder heim, aber nein, ich bin natürlich immer noch hier. Zum Glück! Aber erst jetzt, wo der Alltag so langsam eingetreten ist, weiß ich, dass ich wirklich hier bin, in Südafrika, im kleinen Städtchen Hoedspruit, keine 60 km vom Krüger Nationalpark entfernt, und ich werde auch noch die nächsten 10 Monate hier verbringen. Und darüber bin ich sehr froh.

Froh, im wilden Afrika zu sein, wo einem beim Nichtstun der Schweiß über die Stirn läuft, wo man Leute bei diesen Temperaturen mit Wollmützen trifft, wo die Frauen kiloschwere Säcke auf ihren Köpfen balancieren, wo es 11 Amtssprachen gibt, es also immer ein Glück ist, wenn man seinen Gegenüber versteht, wo man wilde Tiere ständig neben und auf der Straße begegnet. Jeden Morgen, wenn ich mit dem Auto Richtung Arbeit fahre, und die ganze Fahrt entlang eine grandiose Aussicht auf die Blyde River Canyon habe, freue ich mich, all das erleben zu dürfen. Immer wenn ich auf den Hof der Creche fahre und die Kinder mir schon von der Tür aus zuwinken, ich reingehe, alle aufspringen um mich zu begrüßen und ich in diese offenen und herzlichen Kinderaugen blicke, wenn ich mit ihnen singe und sie ausgelassen dazu tanzen, oder wenn ich merke, dass unsere Unterrichtsstunden erfolgreich waren, sie etwas mitnehmen können, was ihnen in der Zukunft vielleicht weiterhilft, aber auch immer wenn ich das Land und seine beeindruckende Landschaft besser kennenlerne, mir meine neugewonnen Freunde die schönsten Ecken von Limpopo zeigen, sei es die atemberaubende Aussicht am Swadini Dam, Schwimmenzugehen am Fuße eines Wasserfalls, über die sandigen Pisten des Krüger Nationalparks zu tuckern oder mich einfach auf ein traditionell südafrikanisches Braai einzuladen, immer dann bin ich glücklich, mich für meinen Internationalen Jugend Freiwilligen Dienst, für das Hlokomela-Projekt, für das Jahr hier entschieden zu haben.

All das sind Gefühle und Erinnerungen, Erlebnisse und Erfahrungen, die mir niemand mehr nehmen kann, jetzt nicht und mein ganzes Leben nicht.

Isabell Roßmann

Einblicke in mein Auslandsjahr

von Simon Dohrmann

Ich bin jetzt seit 2 Monaten in meiner Einsatzstelle in Südafrika. Das ist lang genug, um sich ein gefestigtes erstes Bild zu machen, allerdings bei weitem zu kurz, dieses unglaublich vielschichtige und multikulturelle Land zu kennen.

Die Einsatzstelle in welcher ich für ein Jahr jetzt als Volunteer arbeite ist das Hlokomela Project. Ein AIDS-Hilfe Projekt, mit Vorbildcharakter. Ein großer Teil des Projekts besteht darin, die Bevölkerung auf AIDS zu untersuchen, die Verbreitung und Gefahr dieses Virus zu erklären und die Erkrankten ärztlich zu Betreuen.

Das Projekt finanziert sich zu großen Teilen von Spenden und dem südafrikanischen Staat. Um finanziell eigenständig zu sein, wurde unter anderem der „Hlokomela Herb Garden“ gegründet, welcher Farmarbeiter mit gutem und Preiswerten Gemüse versorgen soll.

Meine Aufgaben hier sind sehr vielseitig. Zum einen kann ich mein handwerkliches Geschick beweisen, denn in dem neuen „Hlokomela Market“, einem Second-Hand Laden bei dem Farmarbeiter günstig Kleidung kaufen können, gibt es sehr viel zu tun, Lampen müssen repariert werden, Tische aufgebaut werden, Verkaufsregale entworfen und erstellt werden und sogar eine Wand musste eingezogen werden.

Mein großes, eigenes Projekt hier jedoch ist das „Kamboucha- Projekt“. Mein Ziel ist es das süß-säuerliche Getränk „Kamboucha“ bis zum Ende meines Jahres hier ökonomisch für Hlokomela herzustellen und zu vermarkten. Während die letzten Monate die Experimentierphase für das richtige Rezept waren, beginnt nun die Test-Phase, in der geschaut wird, wie sich das Getränk am besten vermarkten lässt. Alles in allem finde ich das sehr spannend.

Aber nicht nur die Arbeit hier ist aufregend. Die Natur, die Menschen, die gesamte Umgebung ist neu, weshalb man von keinem Tag sagen kann er wäre langweilig gewesen. Ich hoffe hier noch viele weitere interessante Begegnungen zu machen und bin gespannt was in 10 Monaten für mich zum Alltag geworden ist.

Live aus Houston, TX

Beiträge der Freiwilligen aus dem SDI Volunteer Newsletter Nov. 2016

Let’s work!

Meine Aufgaben sind hier wirklich sehr vielseitig. Wer hier an einen langweiligen Bürojob denkt, der irrt sich komplett.

Am meisten Spaß macht mir der Tag in der Woche, an dem ich in der Essensausgabe helfe. Hier werden alle bestellten Lebensmittel der Cottages in Einkaufswagen gepackt, damit diese abgeholt werden können. Wenn neue Lebensmittel Spenden oder Einkäufe kommen, müssen diese in der Commissary einsortiert und auf Haltbarkeit geprüft werden. Das Sauberhalten der Commissary und Küche gehört genauso zu meinen Aufgaben.

Ein weiteres großes Aufgabengebiet ist der Clothing Closet. Er ist aufgebaut wie ein Second Hand Laden, in dem die Kleider für die Kinder aufgehängt werden. Regelmäßig müssen auch hier neue Sachen einsortiert werden. Momentan sind wir noch dabei die Wintersachen einzusortieren, nachdem die Sommersachen nun ins Lager kamen.

Dazu fallen noch kleinere Aufgaben an, wie Spenden von einem Gebäude in ein anderes zu tragen oder bei Events aufzuhelfen, wenn gekocht werden muss.

Also langweilig wird es mir nie :)

Sarah Haug

Der unerwartete Anruf am Wochenende

An einem Samstagmorgen ging ein Anruf von einer unbekannten Handynummer ein. Es war Jason, der sich um die Tiere der Organisation kümmert. Er bat darum, eine Kuh, die es geschafft hatte auszubrechen, wieder einzufangen.

Wir waren zu zweit und stellten wir uns die Frage, wie man denn eine Kuh am besten wieder in ihr Gehege bekommt. Nach dem Versuch, die Kuh mit einem kleinen Geländefahrzeug zu treiben, haben wir es lieber ohne dieses gemacht, da wir merkten, dass die Kuh damit eher in Panik geriet. Ohne war es dann auch sehr einfach und die Kuh ging fast von ganz alleine zurück. Als sie wieder drin war, wurde der Zaun noch begutachtet, ob irgendwo eine defekte Stelle sei. Doch wir fanden nichts.

Dirk Busch

Happy Halloween!

Halloween war hier bei BGC ein riesiges Spektakel. Das Operationcenter, ein großes Gebäude, wurde den ganzen Tag zu einem Haunted House umdekoriert. Es wurde alles abgedunkelt, Schwarzlicht und bunte Lichter wurden aufgestellt und es lief gruselige Musik. Es wurden auch viele Sachen aufgestellt wie Grabsteine, aufgehängte Puppen oder sonstige Halloween Dekoration. Mit vereinten Kräften war bis 17 Uhr alles vorbereitet. Jeder hatte eine andere Rolle, um die Kinder zu erschrecken. Ich hatte ein weißes Brautkleid an und sprang hinter einer schwarzen Folie hervor. Obwohl es ein sehr langer Tag war, war es wirklich ein riesen Spaß zu sehen, wie sich manche Kinder erschrocken haben.

Sarah Haug