IJFD in Boulder, CO

Freiwilligendienst mal anders: Gasteltern, Chorproben und Kichererbsenmus

von Johanna Huth

FREIWILLIGENDIENST MAL ANDERS: LEBEN IN BOULDER, COLORADO

Wie ich letztens von einem Supermarktverkäufer erfahren durfte, ist Boulder die Stadt, die das meiste Humus im gesamten Universum verkauft – und das will schon was heissen! (Denn wer weiss, wie viel Kichererbsenmus die Marsmännlein so konsumieren?!). Boulder, eine 100.000-Einwohner-Stadt (davon über ein Drittel Studenten), direkt am Fuße der Rocky-Mountains, hat tatsächlich seinen ganz eigenen Charakter und Lifestyle. Sport und Outdoor Aktivitäten werden hier groß geschrieben und wenn dich jemand nach Marathons fragt, dann nicht ob du schon mal einen gerannt bist, sondern wie viele. Ob Laufen, Radfahren, Wandern, Klettern, Skifahren oder Schwimmen, hier hat man unzählige Trainingsmöglichkeiten.

Der zweite große Aspekt des Boulder-Lifestyles ist gesunde und bewusste Ernährung – ein bunter Mix aus vegetarisch, vegan, glutenfrei und low-carb. Selbstverständlich ist ein Grossteil der Lebensmittel „organic“ oder sogar lokal produziert und wird im Sommer an Farmstaenden verkauft. Auch der Umweltschutz steht im Fokus: es gibt autofreie Zonen, Plastiktüten müssen extra bezahlt werden, der Müll wird genauestens getrennt und das Klimaziel 2030 ist Strom aus 100% erneuerbare Energien. Diese sehr bewusste Lebensweise ist aber auch nur möglich, weil Boulder eine sehr reiche Region ist (Lebenshaltungskosten 20% über dem US-Durchschnitt). Die Kehrseite dessen ist, dass es einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Obdachlosigkeit gibt. Allgemein sind die Menschen hier ausgesprochen freundlich und grosszügig. Typisch “boulder” zu sein heisst auch, sich bewusst abzugrenzen - auch wenn das bedeutet, täglich Kombucha (ein fermentiertes Teegetränk) zu trinken … oder auf dem Kopf Klavier zu spielen!

Landschaftlich ist es super schön, egal zu welcher Jahreszeit! Ich denke, die Bilder sprechen fuer sich...

Wer die Berge liebt, ist hier definitiv am richtigen Ort! Eine Halbtagestour zu einem 2500er von der Haustür aus ist gar kein Problem. Beim Wandern gibt es auch immer wieder grosse und kleine Tiere zu entdecken, von Murmeltieren über Schlangen bis Schwarzbären und Pumas (bin ich aber noch nicht begegnet).

FREIWILLIGENDIENST MAL ANDERS: ARBEITEN IN EINER KIRCHGEMEINDE

Fuer mich ist die Kirchgemeinde First Pres nicht nur meine Arbeitsstelle, sondern stellt auch mein hauptsächliches soziales Netzwerk dar; gibt mir Möglichkeiten, mich ausserhalb meines Freiwilligendienstes einzubringen, oder einfach Konzerte und Veranstaltungen zu besuchen, die mich interessieren. Im Rahmen meiner Arbeit als “Music-Intern” dreht sich bei mir vieles um unsere drei Choere, die Gottesdienstvorbereitung, Konzertplanungen. Das bedeutet konkret: Ich singe mit den Chören, kopiere Noten, wähle Musikstücke aus, sitze in Planungsmeetings, schreibe viele E-Mails, spiele Begleitungen, dirigiere (wenn es sein muss :p), entwerfe Plakatdesings, helfe bei Veranstaltungsplanungen, ueberlege mir Programme und Themen für unseren Jugendchor uvm. Darüber hinaus gibt es total viele Projekte, in denen ich mich einbringen kann:

  • Eine meiner Lieblingsaufgaben ist unser “Lamb’s Ministry”, wo wir warme Mahlzeiten für Obdachlose kochen und servieren.
  • Meine kleinen 3-Jährigen in der “MOPS-Class” (Mütter-Bibel-Kreis) sind mir schon richtig ans Herz gewachsen und ich geniesse jeden Dienstagmorgen mit ihnen.
  • Seit Kurzem bin ich eine anerkannte Kids-Hope-USA-Mentorin und habe auch endlich “mein eigenes Kind”. Kids Hope ist eine Organisation, die 1:1-Betreuung für Kinder mit sozialen oder Lernschwierigkeiten anbietet und es ist eine einmalige Erfahrung!
  • Das Schöne an der Kinderbetreuung für Doorways (english school for international women) ist, dass ich Kinder aller Altersgruppen (4 Wochen + :) ) und Nationalitäten in meiner Gruppe habe.

Fuer mich ist die Gemeinde auch eine wunderbare Anbindung und ich wurde sehr warmherzig aufgenommen. Ich verbringe viel Zeit mit meiner Mentorin, meiner Supervisorin oder einfach Chor-Mitgliedern oder anderen Helfern in unseren Projekten. Es tut auf jeden Fall auch echt gut, Freunde in meinem Alter zu haben, die ich in der Studentengemeinde und meiner Bible-Study-Group treffe.

UNTERBRINGUNG MAL ANDERS: WOHNEN MIT GASTELTERN

Ich wohne mittlerweile bei meiner zweiten Gastfamilie, weil meine ersten Gasteltern nur für einige Monate Platz in ihrem Haus hatten. Dort hat es mir wahnsinnig gut gefallen: eine junge, aktive Familie mit drei kleinen, aufgeweckten Töchtern. Danach erlitt ich einen kleinen Kulturschock, da ich nun bei einem älteren Ehepaar wohne ... bleibt noch die Frage, wessen Leben da seit meinem Einzug mehr auf den Kopf gestellt wurde - ihres oder meins?

Nach der Eingewöhnungszeit verstehen wir uns aber mittlerweile blendend und haben viel Spass dabei, meine Bildungslücken in puncto amerikanische Kinderfilme zu schließen. Das Schöne am Leben mit Gasteltern ist, dass ich in der Kultur einfach mittendrin bin, tagtäglich von ihrer Sprache und Lebensweise umgeben bin.

Trotzdem ist mein Leben weitestgehend unabhängig, weshalb ich mir meine eigenen Freizeitaktivitäten suchen kann: Ob es das Lauffieber ist, dass mich nun unweigerlich auch ergriffen hat (Ich habe eine Trainerin und renne mit einem Team, was eine echte Herausforderung ist, aber auch total Spaß macht!), meine Klavierstunden oder Ausflüge mit Freunden.

Johanna Huth

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