Berichte unserer Freiwilligen bei Franciscan Outreach in Chicago

Amerika - das Land der Unterschiede zwischen arm und reich.

Februar im "Womens Dorm"

(veröffentlicht 2018 von Verena)

Ich wollte euch diesen Monat eigentlich von meinem Urlaub in Florida berichten und wie fast eine Schlange meine Beine hoch geschlängelt wäre nur weil ich "das perfekte" Foto bekommen wollte... oder wie ich nachts im Everglades National Park fast von einer Alligator Mami angegriffen wurde!

Allerdings ist mir etwas viel schöneres passiert als ich nach 10 freien Tagen endlich wieder arbeiten gegangen bin. Viele der Frauen hatten mich vermisst und fast alle haben immer wieder betont, wie froh sie doch sind, dass ich wieder da bin. (Selbst welche die kein permanentes Bett haben und eigentlich nur Probleme verursachen..)

Und sogar einer der Supervisor hier meinte, dass der Ort hier ohne mich nicht derselbe ist und er gemerkt hätte wie die Frauen mich vermisst haben! Es ist einfach ein wundervolles Gefühl so eine Anerkennung zu bekommen!

Und um dieses Gefühl auch noch abzurunden hatte ich gestern morgen noch eine Wasserpistolenschlacht mit ein paar der Ladies. Eine Frau (L.) hatte eine Wasserpistole dabei (warum auch immer). Eine andere Frau (E.) hat diese Entdeckt und angefangen L. abzuschießen! :D Da L., die im Rollstuhl sitzt, keine Chance gegen E. hatte wollte sie meine Hilfe. Allerdings musste ich L. erst einmal über die 'no guns policy' bei uns im shelter aufklären und ihr daraufhin sagen, dass ich ihr nicht helfe, da sie selber gegen die Regeln verstoßen hat! 😂

Womens Dorm bei Franciscan OUtreach

Nach einer Weile habe ich die Waffe dann doch konfisziert und sie selber benutzt. Erst an den beiden Ladies und danach im Men's Dorm bei Dominik und Chris (Supervisor). Dieser lustige Morgen war einer der besten Morgen den die ich bisher mit den Frauen hatte! Auch wenn nebenbei andere Konflikte waren die ich zwischendurch regeln musste und ich am Ende die Schlacht verloren hatte, weil Mike mich durch den ganzen Dorm gejagt hat bis ich mich geschlagen geben musste. 😂 😂

Das war's erstmal aus dem Irrenhaus! Bis nächsten Monat !

Februar im "Mens Dorm"

(veröffentlicht 2018 von Dominik)

Hey y'all, heute möchte ich euch von einer unerwarteten, unmöglichen und unerhörten Wasserpistolen-Attacke aus dem Womens-Dorm erzählen.

Unschuldig habe ich an meinem Schreibtisch gesessen und habe nach einer "anstrengenden" Nachtschicht dem Ende entgegen geschwärmt, als plötzlich REEREE aus dem Dorm gestürmt kam und als erstes mich bewaffnet mit einer Wasserpistole angegriffen hat und danach auf Chris losgegangen ist!

Es klingt dramatischer, als es eigentlich war :D Es war sehr sehr amüsant und nass.

Ende Februar bin ich auch mit Anina nach Miami gereist und wir haben die warmen Temperaturen und die geile Sonne genossen, die ich wirklich lange nicht mehr in Chicago gesehen habe. Denn kein Wunder, auch wenn wir bereits März haben, ist es immer noch arschkalt hier und es SCHNEIT (...wieder...)!

Zum Glück soll es bald wieder wärmer werden, ich hoffe es zumindest.

Miami war der Hammer. Wir waren viel am Strand unterwegs und sind durch Miami Beach geschlendert. Einer der Höhepunkte der Reise waren auf jeden Fall die Wynwood-Walls, die wir mit zwei Briten, die wir im Hostel kennengelernt haben, bestaunen konnten.

Das Highlight war aber auf jeden Fall die Everglades Boat-Tour, bei der ich einen kleinen Babyalligator namens Larry halten konnte.

Am nächsten Tag war ich in einem Restaurant, welches lokales Essen angeboten habe und ich habe natürlich die Gelegenheit genutzt, um Alligator Fleisch zu probieren.

Ich muss zugeben, Larrys Artgenossen sind ein Gaumenschmaus.

Bis zum nächsten Mal.

Do widzenia - Dominik

Brotherhood of Soup Kitchen Volunteers

(veröffentlicht 2018 von Selma)

In der Küche bekommen wir einmal in der Woche Unterstützung von einem Franziskaner namens Brother Nick, mit dem wir uns alle sehr gut verstehen. Eines Tages hat er uns überraschenderweise zum Abendessen in seiner Community aus Franziskanern eingeladen. So sind wir dann letzten Sonntag zu viert (alle Suppenküchen-Volunteers) zu dem großen Haus gefahren, in dem die Brüder wohnen.

Nach einer kurzen Führung durch das ziemlich prächtige Haus mit Bibliothek, Wohnzimmern und Fernsehzimmer durften wir dann mit den Brüdern beten und an einer Art Andacht teilnehmen. Danach saßen wir mit fast allen der ca. 20 Brüder für einige Zeit zusammen und unterhielten uns. Wir haben dort tatsächlich auch einen Deutschen kennengelernt, einen Theologieprofessor aus Trier, der auch Franziskaner ist. Als wir schließlich mit dem Abendessen beginnen konnten, wurden wir auf verschiedene Tische aufgeteilt und haben uns so alle mit den Brüdern unterhalten können. Die Gemeinschaft untereinander ist dort wirklich sehr stark und an meinem Tisch war es sehr lustig, zu sehen, wie viele Witze die Brüder untereinander machen. Nach dem Abendessen haben wir dann noch mit ein paar Brüdern zusammengesessen und Gesellschaftsspiele gespielt. Der Abend war wirklich eine tolle Erfahrung und ich habe das Gefühl, die Franziskaner jetzt ein bisschen besser zu verstehen als vorher.

Bis zum nächsten Monat, eure Selma

Helpings of Hope

Amerika - das Land der Unterschiede zwischen arm und reich. Nirgends haben wir das bisher so sehr gespürt wie am Donnerstag, den 9. November, bei der Spendengala “Helpings of Hope”.

Helpings of Hope fand in einem riesigen Industrial Design Loft statt - einer sehr beeindruckenden Location, die uns allen außerordentlich gut gefallen hat. Das Motto des Events war: “You can provide help and hope for those in need!”. Die Gala wurde von Franciscan Outreach veranstaltet, um neue Sponsoren heranzuziehen und um Spenden zu sammeln, mit denen die Suppenküche sowie das Shelter finanziell aufrecht erhalten werden. Das Herzstück der Organisation - wir Vollzeitfreiwilligen (#freiwilligundsexy) - waren eingeladen, bei dem Fest mitzuhelfen. Bewaffnet mit Losen, riesigen Selfie-Bilderrahmen, Kreditkartenlesegeräten und Tannenbaumanhänger-Dankeschöns liefen wir herum und baten um eine milde Gabe. Wir alle waren überrascht, wie großzügig die Gäste sich verhielten. Sie waren außerdem sehr interessiert an unserer Arbeit und überaus freundlich.

Teil der Veranstaltung war außerdem die Ausstellung “Portraits of Homelessness”, bei der Fotografien von Obdachlosen zusammen mit deren Lebensgeschichten präsentiert wurden. So sollte veranschaulicht werden, wem durch dieses Event geholfen wird.

Nachdem wir einige Stunden damit verbracht hatten, Spenden zu sammeln, begann der Höhepunkt der Veranstaltung: das Paddle Raise. Dabei versammelten sich alle Anwesenden vor der Bühne, auf der eine Radiomoderatorin gekonnt das Publikum zum Spenden animierte.

“Who wants to donate $ 5.000?” - von diesem Geld kann die Suppenküche eine Woche lang finanziert werden. Etwas überrascht waren wir dann doch, als sich spontan mehrere Leute meldeten. Weitere Spender erklärten sich unter anderem bereit $ 1.000 (heiße Duschen für einen Monat) oder $ 50 (fünf Übernachtungen im Shelter) zu spenden. Am Ende wurde dann innerhalb von einer knappen halben Stunde das gesetzte Ziel um $ 10.000 überschritten.

Am Ende des Abends mussten Verena und Clemens noch zur Nachtschicht ins Shelter fahren. Bei einem Abstecher nach Hause gab es nur Zeit, schnell die Kleidung zu wechseln und weiter ging es mitten in einen komplett anderen Teil Chicagos. Einen stärkeren Kontrast hätte man sich nicht vorstellen können: Gerade noch zwischen wohlhabenden Spendern und nur kurze Zeit später unter Menschen, die nur aufgrund eben genannter Spender überleben können. Kaum im Shelter angekommen, sucht man sich dann zuallererst ein Abschminktuch, um die Überreste des eleganten Make-ups zu entfernen.

Trotz der Widersprüchlichkeit dieser Situation hat es uns allen gut gefallen und wir sind froh, die Möglichkeit zu haben, solche Erfahrungen zu machen.

Verena und Selma

FOV goes Six Flags!

Unsere Arbeit hier für Franciscan Outreach bedeutet weit mehr als unsere Aufgaben im Shelter oder der Suppenküche zu erledigen, Essen zu kochen und jedem Menschen ein Bett anzubieten. Das besondere an unserer Arbeit ist der ganz persönliche Kontakt zu unseren Gästen, die täglich abends ein Essen zu sich nehmen können und sich danach meist auf den langen Weg zum Shelter machen. Einer unserer ehemaligen Gäste hat es mit der Hilfe von Franciscan Outreach geschafft, wieder eine Wohnung zu finden, einen Job zu bekommen und wieder ein geregeltes Leben aufzubauen. Aus Dankbarkeit der Community gegenüber hat er uns dieses Jahr alle in den Freizeitpark ‘Six Flags’ eingeladen und uns Tickets für die Saison gespendet. Zusammen mit zwei unserer Mentoren sind wir dann, leider nicht alle zusammen, aber an zwei verschiedenen Tagen am Wochenende, in den Freizeitpark gefahren. Bei eisigen Temperaturen und drei Winterjacken übereinander haben wir im fast komplett leerem Freizeitpark alle Achterbahnen mitgenommen, wie es nur ging. Seit langem war dies einmal wieder ein Tag, an dem jeder die Arbeit komplett vergessen konnte und einfach so richtig abgeschaltet hat. Es waren wirklich wunderschöne Tage, die glaube ich jeder genossen hat!

Anina

Weitere Infos zur Einsatzstelle und dem Dienst bei Franciscan Outreach.