Bericht 1
Erfahrungsbericht (Zwischenbericht) eines Teilnehmers aus Brasilien im Mai 2010
Nach nun acht Monaten in Brasilien berichte ich im Folgenden über meine Erfahrungen in Brasilien, die Arbeit und die Leute sowie die Organisation vor Ort.
Habitat para a Humanidade (HPH) ist eine weltweit agierende Nichtregierungsorga-nisation, die Häuser für Bedürftige baut. Dies soll, wenn möglich, mit den zukünftigen Hausbesitzern erfolgen und so die Finanzierung erleichtern und dafür sorgen, dass die Häuser nicht weiterverkauft werden.
Mein Dienst in Brasilien hat im September 2009 begonnen. Gemeinsam mit zwei weiteren Deutschen Freiwilligen, die über den Verein für Soziale Dienste International e.V. vermittelt wurden, besuchte ich im ersten Monat morgens einen weiterführenden Sprachkurs portugiesisch und lernte nachmittags im Büro von Habitat in Recife die Arbeit der Organisation kennen und half Dokumente zu archivieren und Tabellen anzulegen. Aufgrund der Sprachbarriere waren unsere Kompetenzen jedoch eingeschränkt. Wir wurden vom Personal herzlich willkommen geheißen und man kümmerte sich gut um uns. Eine Unterkunft wurde von einem Mitarbeiter Habitats für uns vermittelt.
Ab Oktober fuhr ich dann gemeinsam mit einem der anderen Deutschen nach Salgueiro, um dort die nächsten sechs Monate zu arbeiten. Salgueiro ist eine Klein-stadt im Inneren von Pernambuco in einem Trockengebiet namens Sertão. Clésio, der damalige Projektleiter, half uns dabei, uns in Salgueiro zurechtzufinden, stellte uns einigen Leuten vor, vermittelte eine Wohnung für uns und stand bei Problemen immer zur Seite.
In den folgenden sechs Monaten lernten wir Beton zu mischen, Wände zu verputzen, das Fundament eines Hauses zu bauen, das Dach zu decken und andere Arbeiten zu verrichten. Nach einer Eingewöhnungszeit standen wir dem dortigen Maurer tatkräftig zur Hilfe und er war sehr dankbar für unsere Arbeit. Wir haben echte Freundschaft geschlossen. Gegen Anfang des Aufenthalts in Salgueiro zog eine Familie in ein von Habitat erbautes Haus ein, an dem wir mitgearbeitet hatten. Der Hausherr, ein Witwer von ca. 65 Jahren mit 4 Kindern zeigte sich sehr dankbar an Habitat und unserer Mitarbeit und war sehr interessiert an unserem Dienst. Während meines Aufenthalts in Salgueiro habe ich ihn viele Male gesehen und gerne haben wir uns unterhalten oder eine Melone zusammen gegessen. Auch wenn die Auswirkung dieser Entwicklungshilfe, die Habitat leistet, nur punktuell stattfindet; für die Betroffenen ist ein solches Haus von unglaublich hohem Wert.
In der Anfangsphase mussten wir uns an die, in Deutschland nicht üblichen, Arbeitsbedingungen gewöhnen. Im Oktober ist in Salgueiro Frühling und so musste man sich sehr an die Temperaturen gewöhnen. Anfangs war es meist um die 32-34°C, im Januar und Februar wurden auch knapp 40°C erreicht. Manuell Beton mischen ist da sehr anstrengend. Sonnencreme und ein Hut sind unbedingt zu empfehlen. Trotzdem hatte ich einige Male ein wenig mit der Hitze zu kämpfen und bekam Kopfschmerzen. Die vorgesehen Arbeitszeit war von 7.30- 11.30Uhr und von 13-17Uhr. Meist war Diese aber flexibel.
Auch in Salgueiro wurden wir herzlich willkommen geheißen und fanden sehr schnell Freunde. Kurz vor meiner Abreise nach Salgueiro habe ich meine Freundin kennen gelernt und bin deshalb während des gesamten Aufenthalts in Salgueiro fast alle zwei Wochen nach Recife gefahren, um die Wochenenden mit ihr zu verbringen. Auch dort habe ich Freundschaften geschlossen. Die Abwechslung in der Großstadt tat mir da auch sehr gut. Die Möglichkeiten seine Freizeit in Salgueiro zu verbringen sind leider etwas beschränkt.
Im November nahm ich an der Einweihung des Projekts und der Arbeit mit der ersten Gruppe Amerikaner in Feira Nova, nahe Limoeiro (2 Stunden Busfahrt von Recife), teil. Die Woche gestaltete sich sehr interessant. Mit der Gruppe (ca. 15 Personen) bauten wir das Fundament der ersten beiden Häuser des Projekts. Dabei wurde sich viel unterhalten, viel gelacht und viel geschwitzt. Viele der zukünftigen Hausbesitzer waren anwesend, interessierten sich für das Geschehen und halfen tatkräftig mit, sodass nach einer Woche das Fundament der beiden Häuser stand und die Grundmauern 2 Meter erreichten. Abends gingen wir dann meist gemeinsam essen und tranken anschließend ein paar Bier und unterhielten uns bis spät in den Abend. So lernte ich ein paar interessante Menschen kennen, sprach englisch und nahm am Interkulturellen Austausch dreier doch sehr unterschiedlicher Kulturen teil.
Seit nun etwas mehr als einem Monat arbeite ich fest im Projekt Feira Nova. Dieses ist etwas anders aufgebaut als das Projekt Salgueiro. Während ich dort die ganze Zeit mit einem Maurer zusammengearbeitet habe und sein Helfer war, gibt es im hiesigen Projekt derzeit zwei Maurer mit jeweils einem Helfer, denen ich zur Seite stehe. Neben mir arbeiten hier auch, anders als in Salgueiro, die zukünftigen Hausbesitzer (wie vorgesehen), und ebenfalls beide anderen Deutschen. Hier werden Doppelhäuser gebaut, während in Salgueiro einzelne Häuser gebaut werden. Außerdem liegt das Projekt selbst in einem eher ländlichen Gebiet abseits der Stadt. Noch ist das Projekt neu für mich und ich lerne es gerade erst richtig kennen. Da hier das Zentrum der Aktivität von Habitat Brasilien liegt, werden auch die nächsten Freiwilligen in diesem Projekt arbeiten. Auch kommen im Juni und Juli 4 weitere Gruppen Freiwilliger aus aller Welt, um an der Konstruktion teilzunehmen.
Die Stadt Limoeiro ist leider nicht besonders schön und hat viel weniger zu bieten als Salgueiro. Den zukünftigen Freiwilligen kann ich also nur ans Herz legen, schnell in Recife Leute kennen zu lernen und die Wochenenden dort zu verbringen. Recife ist eine Metropole; es gibt zahlreiche Möglichkeiten auszugehen, junge Leute zu treffen und die Zeit zu genießen. Von dort aus können auch schöne Reiseziele besucht werden (nahe liegende Strände etc.).
Durch meinen Dienst habe ich viele Leute aus verschiedenen sozialen Schichten kennen gelernt. So arbeite ich mit Maurern und Gehilfen sowie sehr armen Men-schen aus dem Projekt zusammen. Auch habe ich einige Favela- Bewohner kennen gelernt und Freundschaft geschlossen. Dadurch bin ich toleranter geworden und habe weniger Schwierigkeiten, auf Menschen zuzugehen. Meine Unabhängigkeit von meinen Eltern und meinem heimischen Umfeld sowie Denkmuster genieße ich sehr. Auch macht sie mich selbstständiger.
Seit Beginn meines „Anderen Dienstes im Ausland“ bin ich sehr zufrieden und glücklich mit der Arbeit und meinem Leben hier und freue mich auf die letzten drei Monate meines Dienstes. Derzeit plane ich deshalb meinen Aufenthalt bis Februar 2011 fortzusetzen. Auch meine Freundin ist ein großer Faktor für diesen Schritt.

